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Netzgemeinde, ihr werdet den Kampf verlieren!

Wednesday, February 1st, 2012

Sehr geehrter Herr Heveling,

ich möchte Sie loben! Ihr Artikel hat mich wirklich unterhalten und hat mir das ein oder
andere Lächeln ins Gesicht gebracht.

Ich finde es bewundernswert dass Sie eine so hohe Meinung von sich haben
und meinen die aktuellen Weltzustände zu verstehen. Es gibt nicht wenige
Menschen die dies mit einer solchen Überzeugung tun und dabei noch
das Gefühl von absolutem Bewusstsein fehlender Kompetenz zu vermitteln.

Als ich Ihre Überschrift zunächst las habe ich mich vergewissern müssen,
dass es tatsächlich Ihr Titel für Ihren Kommentar ist, er wirkte sehr
humorvoll. Sie definieren damit sehr treffend einen Kampf. Der Kampf zwischen
Netzgemeinde und den Menschen wie Ihnen.

Sebastian Nerz von den Piraten legt Ihnen Nahe dass Sie sich mit den
Technologien seit 1960 einmal beschäftigen sollten. Nun ich bin mir
sicher dass Sie das haben, immerhin publizieren Sie Ihren Artikel
sogar im Internet.

Sie begeben sich in die Höhle des Löwen!
Mutig und stark treten Sie Ihrem Gegner entgegen.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich habe einen weitreichenden Freundeskreis.
Tendenziell eher jüngere Menschen nutzen das Internet zunehmend aktiver und interaktiver.
Wikipedia und Google sind keine Fremdwörter und zählen zum Alltag (egal welche Altersgruppe).

Und nun möchte ich Ihnen ein Geheimnis offenbaren: Die Netzgemeinde existiert nicht. Es ist
unsere Gesellschaft, wie sie lebt und ist. Es gibt keinen Club mit “Internetnutzern” und alle anderen
sind normal. Sogar Obama bediente sich letztens moderner Techniken mittels Google+.

Sie schreiben, dass Sie das geistige Eigentum würde im Internet in Gefahr sein. Nun, ich sehe keine Grund
warum das so sein sollte. In einer Bücherei finden Sie immerhin auch alle Informationen und selbst Scanner können
dazu dienen diese zu kopieren (oder gar abschreiben könnte man es). Es müsste gar nicht mal das Internet
mit allen ach so schlimmen illegalen Seiten sein.

Der einfache und schlicht und ergreifend einzige Vorteil dieser Webseiten und Technologien ist denkbar einfach: Sie machen es schneller!

Denken Sie wirklich ohne Internet wäre unsere Welt und Gesellschaft anders? Warum das Rad zweimal erfinden?
Warum nicht gute Ideen aufgreifen und erweitern und gemeinsam die Welt verbessern? Warum nicht
schneller verbreiten, wenn es schneller geht?

Wie wäre es mit einem Denkansatz ala “Gemeinsam statt Einzeln”. Ohne Ideenaustausch würde es nur Einzelkämpfer geben.
Aber jetzt werden Sie natürlich sagen dass man für entsprechende Informationen (denn nur darum geht es im Internet) bezahlt werden
müssen. Nun, da muss ich Ihnen ganz klar sagen, dass ich es relativ peinlich finde, dass Sie davon ausgehen
dieses Konzept würde funktionieren.

Denken Sie das tut es? Industriespionage, Ideenklau, Abändern, Patentwahn, Abzocke und Korruption sind erfahrungsgemäß
die Ergebnisse dieses Ansatzes.

Und warum gibt es überhaupt Streit darum? Weil der Mensch offenbar nicht einsieht, dass er für eine Idee Geld bezahlen soll.

Aber heißt dass das man dadurch kein Geld verdienen kann? Nein, denn dazu liefern wir Piraten einige sehr interessante
und zukunftsträchtige Alternativmodelle. Aber dazu müssten Sie sich informieren tiefer in die Materie einsteigen – ich
wage zu bezweifeln dass Sie das tun werden.

Ich hoffe Sie werden meine E-Mail überhaupt lesen – es würde Ihnen gut tun und könnte Ihre Weltansicht verändern.

Mit der Hoffnung aber ohne Erwartung auf Antwort
Ralph Küpper

Antwort auf den Artikel: http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-netzgemeinde-ihr-werdet-den-kampf-verlieren/6127434.html